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Zurück zu den Wurzeln!

Kartoffeln selbst anbauen

Von Röstis über Bratkartoffeln und deftigem Kartoffelpüree bis hin zur einfachen Ofenkartoffel mit Kräuterquark – die Kartoffel ist aus deutschen Küchen und Gärten nicht wegzudenken. Dabei stammt das beliebte Knollengewächs gar nicht aus Europa!

22.04.2021

Foto: LIGHTFIELD STUDIOS - stock.adobe.com

Noch vor 400 Jahren galt sie als botanische Kuriosität, die naturkundige Reisende aus der neuen Welt mitgebracht hatten – um genau zu sein aus den Anden in Südamerika, wo sie auf 3000-4000 Metern Höhe noch gediehen, wo Maispflanzen schon lange den Geist aufgaben. Die Kartoffelpflanze galt in Europa zunächst als Zierpflanze. Als Nahrungsquelle musste sie den deutschen Bauern buchstäblich erst schmackhaft gemacht werden. Die trauten der exotischen Knolle nämlich zunächst nicht.

Friedrich der Zweite von Preußen, der das Potenzial der Erdäpfel erkannte, musste erst in die Trickkiste greifen: Er ließ für seinen Hof Kartoffelfelder anlegen und sie eigens von Soldaten bewachen. Sofort begannen Bauern aus der Umgebung Interesse an der königlichen Knolle zu entwickeln und die Kartoffeln zu stehlen. So verbreitete sich der Anbau in ganz Deutschland und half der allgemeinen Bevölkerung über so manche Hungersnot hinweg. Denn während Weizen einen langen Prozess durchlaufen muss bis es als Brot gegessen werden kann, sind Kartoffeln ein günstiges und widerstandsfähiges Nahrungsmittel, mit denen sich die meisten Bauernfamilien selbst versorgen konnten.

Kartoffeln lassen sich vielfältig anbauen

Auch heutzutage eignen sie sich sowohl für einen traditionellen Anbau im Flachbeet, als auch zum Balkonpflanzen im Topf, Eimer oder sogar im einfachen Jutesack. Doch wie genau baut man dieses Nachtschattengewächs richtig an?

Grundsätzlich beginnt der Prozess immer mit der Vorbereitung der Erde. Am besten gedeihen die Knollen in lockerem, nährstoffreichen Boden, der im vorherigen Herbst möglichst tief umgegraben wurde. Die dadurch entstandenen Schollen lässt man liegen, damit der Winterfrost die Qualität des Bodens verbessert. Tendiert der Boden zu Staunässe, ist er nicht geeignet, da die Kartoffeln zwar viel Wasser brauchen, aber eingehen, wenn das Wasser nicht abläuft. Mitte April gilt als ideale Anbauzeit – vorausgesetzt es ist kein später Frost angekündigt.

Jetzt sollten die Erdschollen verfeinert und die Oberfläche mit dem Rechen geglättet werden, bevor wir die vorgekeimten Pflanzkartoffeln jede in ein einzelnes Loch legen, etwa 10 cm tief und mit ihren Trieben nach oben. Der Abstand zwischen den einzelnen Kartoffeln variiert von Art zu Art und hängt von der Größe ab, sollte aber zwischen 20 und 35 Zentimeter betragen. Als letzten Schritt ziehen wir vorsichtig Erde über die Kartoffelreihen bis sich ein kleiner Wall über die Reihe bildet. Von nun an gilt es alle 2 - 3 Wochen die Reihe anzuhäufeln. Sobald eine Knolle rausguckt, sofort mit Erde bedecken! Morgens gießen wir die Pflanzen und falls der Regen mal ausbleibt, ein wenig nachhelfen.

Am effektivsten wachsen Kartoffeln in Boden, der im Herbst zuvor mit Kompost und Mist angereichert wurde. Doch keine Panik: Wer sich im Frühjahr spontan zum Kartoffelanbau entscheidet, kann mit Hornspähne in der Wachstumsphase mangelndes Düngen im Vorherbst ausgleichen. Wichtig ist hier nur: Finger weg von synthetischem Dünger! Der macht unsere Gartenkartoffeln nur anfälliger für Krankheiten.

Was gibt es noch im Kartoffelanbau zu beachten? Wie so oft beim Gärtnern kommt es auch im Kartoffelbeet auf die Mischung an. Um Schädlingen vorzubeugen und ein gutes Gleichgewicht im Ökosystem zu erzielen, eigenen sich folgende Pflanzen als gute Nachbarn oder Beetgefährtinnen: Kümmel, Koriander, Dill, Kapuzinerkresse, Mais, Bohnen, Tagetes oder Bohnen. Abträglich sind hingegen Paprika, Gurken, Kürbis, Sellerie, Rote Bete, Zwiebeln, Sonnenblumen und am tödlichsten von allen: Tomaten. Denn eine Pilzkrankheit namens Kraut- und Braunfäule kann in besonders feuchten Sommern zuerst unsere Kartoffeln befallen und sich später auf die Tomaten ausbreiten. Soll ein Beet komplett neu angelegt werden, eignen sich Kartoffeln übrigens hervorragend zur Urbarmachung des Bodens. Spätestens nach 3 Jahren sollte allerdings etwas Neues angebaut werden. Das Schönste an Kartoffeln ist: Sie gedeihen überall, nicht nur im traditionellen Flachbeet, sondern auch im Hochbeet, im Kübel, Topf oder Eimer auf dem Balkon und sogar im Jutebeutel.

Anbau auf dem Balkon? Geht!

Wir müssen nur darauf achten, dass uns hohe Gefäße zur Verfügung stehen, die mindestens 25 Liter pro Kartoffelpflanze fassen und Löcher im Boden besitzen, durch die überschüssiges Wasser abfließen kann. Alternativ zu Pflanzkartoffeln kann man auch Bio-Kartoffeln als Mutterknollen benutzen. Diese sind nämlich nicht mit Keimstoppmitteln behandelt und können so ungehindert Triebe entwickeln. Zunächst bedecken wir den Boden des Gefäßes mit einer 10 Zentimeter tiefen Kies- oder Blähtonschicht. Dann streuen wir eine 15 Zentimeter dicke Schicht aus hochwertiger Blumen- oder Kübelpflanzenerde. Darauf setzen wir je nach Größe 3-5 Mutterkartoffeln. Sobald aus ihnen eine handbreit Triebe hervorgewachsen sind, schichten wir Erde auf bis nur noch die Blattspitzen herauslugen. Das wiederholen wir so oft, bis unser Gefäß bis an den Rand mit Erde gefüllt ist. Dadurch entsteht eine etwa 40 Zentimeter dicke Erdschicht, die durchzogen ist von Kartoffeln. Zur Ernte kippen wir das Gefäß einfach aus. Guten Appetit! (Lara de Simone)