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Schädlingsalarm!

ökologisch gegen Schädlinge vorgehen kann

Seien es angeknabberte Salate oder lausbefallene Zierblumen - Schädlinge im Garten sind ein Ärgernis. Gegen Blattläuse, Kartoffelkäfer und Co gibt es durchaus Mittel. Doch was lockt die kleinen Störenfriede überhaupt an?

22.04.2021

Foto: Karin Jähne - stock.adobe.com

Schädlingsbefall ist oftmals unserem Hang zu Monokulturen geschuldet. Variantenreiche, wild wachsende Pflanzen bilden von Natur aus einen ausbalancierten Mikrokosmos. Erst durch das künstliche Eingreifen des Menschen und unserem gezielten Pflanzen entsteht ein Ungleichgewicht, welches die Natur auszugleichen sucht. Das bedeutet natürlich nicht, dass wir unseren Garten einfach verwildern lassen sollen. Stattdessen können wir von der Natur lernen und uns Strategien abgucken, mit denen wir unsere Beete gesund halten.

Schädlingsbefall ist oftmals ein Zeichen von grundlegenderen Problemen

Die beste Methode zur Vorbeugung von Schädlingsbefall ist und bleibt die Fruchtfolge. Jahrein jahraus das Gleiche im selben Beet anzupflanzen zieht entsprechend auch die immer gleichen Nährstoffe aus dem Boden - von denen die Erde nur eine limitierte Menge hat, wenn man sie nicht durch die NoDig Methode auffrischt. Doch auch Abwechslung im Beet selbst kann die Pflanzengesundheit stärken. Bei Vermischung der Gerüche durch den Einsatz einer geeigneten Partnerpflanze werden Schädlinge gar nicht erst angelockt oder verwirrt.

Wer Insekten ein gutes Zuhause bietet, kann mit ihrer Hilfe bei der Schädlingsbekömpfung rechnen. Foto: Gabriele Rohde - stock.adobe.com
Wer Insekten ein gutes Zuhause bietet, kann mit ihrer Hilfe bei der Schädlingsbekömpfung rechnen. Foto: Gabriele Rohde - stock.adobe.com

Besonders bewährt haben sich diese spezifischen Kombinationen: Dill schreckt Blattläuse und Fliegen von Zwiebeln und Möhren ab (die zusammen schon ein gutes Paar abgeben) und schützen auch beliebte Kräuter wie Petersilie, Liebstöckel und Basilikum. Die unscheinbare Blume Tagetes lockt Fadenwürmer an und tötet sie dann; doch ihre volle Wirkung entfaltet sie als Ablenkungsfütterung für Schnecken im Salatbeet. Lauch wirkt antifungal gegen Schimmelkrankheiten und hält Bohnen, Erbsen und Mangold gesund, Bohnenkraut und Bohnen schützen die Gemüseernte und Kapuzinerkresse hält Pilze und Schnecken von den Tomaten fern, Minze hingegen die Kartoffelkäfer. Und wer zuletzt noch seine Rosen schützen will, pflanze sie in Tandem mit Lavendel. Letzten Endes gelten Schädlinge als sogenannte Bioindikatoren, was bedeutet, dass sie oft nur ein Symptom für ein tiefergehendes Problem mit der Gesundheit der Pflanze oder des Bodens. Wenn wir also sicher gehen, dass Rahmenbedingungen wie das Einhalten von Saatterminen, Pflanzenabständen und die Standortwahl stimmen, wenn wir pflanzengerecht und organisch düngen, und wenn wir die Bodenbiologie beachten, geben wir unseren Pflanzen die besten Überlebenschancen.

Doch was können wir darüber hinaus noch tun, um die hartnäckigsten Artgenossen zu bekämpfen? Natürlich andere Mitbewohner des Gartens zur Hilfe holen! Indem wir Lebensraum für sogenannte Nützlinge schaffen, locken wir die Fressfeinde unserer Schädlinge an, die den Befall eindämmen können. Dafür müssen wir sogar ein wenig unordentlich im Garten sein: Im Herbst können Pflanzenreste und Laub ruhig auch mal liegen bleiben. Vor allem Stauden bieten im Herbst Nistplätze für Bienen und Florfliegen. Der Pflanzenstamm wird zum Insektenhotel, was unseren Nützlingen das Überwintern erleichtert. Daher sollten Stauden erst im Frühjahr abgeschnitten werden. Selbst dann empfiehlt es sich, diese zur Seite zu legen, damit die Larven aus den Eiern schlüpfen können. Besonders beliebt sind feste Stauden, Brennsesseln, Disteln und Blühstauden wie Astern.

Marienkäfer wurden in Europa und den USA extra aus Asien importiert, um gegen Blattläuse vorzugehen. Gefahren von Nützlingen, wenn sie ohne Fachwissen in nicht-heimische Ökosysteme eingeführt werden, gibt es allerdings auch: Wie Nützlinge selbst zur Plage werden können erzählt die Geschichte der Aga-Kröte in Australien, die sich, ursprünglich zur Bekämpfung eines Zuckerrohrschädlings vorgesehen, selbst zu einer Plage entwickelte.

Studieren geht in diesem Fall über probieren

Wenn wir also Schädlinge in unserem Garten finden, gilt es erstmal abzuwarten und zubeobachten. Bevor man einen Nützling in seinen Garten einführt, stelle man sicher, dass er sich für die spezifische Pflanze, Klimazone und geografische Lage eignet. Meisen, Spinnenarten, manche Wespenarten, Florfliegen, Bienen, aber auch Mirkoorgenismen wie bestimmte Plize, Bakterien und sogar Viren. Marienkäfer beispielsweise brauchen die Blattläuse, um ihre Population aufzubauen, doch das geht nun einmal nicht von heute auf morgen. Sollten sich Schädlinge jedoch ungebremst vermehren, deutet das daraufhin, dass es nicht genug Nützlinge gibt und man sollte zu anderen Mitteln greifen. Dieses andere Mittel heißt Pestizid. Wer das Gruselwort Pestizid hört, denkt sofort an verpönte chemische Unkrautvernichtungsmittel wie Glyphosat. Doch erst einmal bezeichnet der Begriff Pestizid im Grunde nur ein Mittel, das lästige Lebewesen oder Viren tötet oder deren Wachstum und Vermehrung hemmt. Hausmittel in Form von Tees und Jauchen sind ebenso Pestizide wie ihre synthetisch hergestellten und industriell eingesetzten Cousins. Dennoch wollen wir für unseren privaten Gebrauch die Finger von den Letzteren lassen, nicht zuletzt, weil das Spritzen mit Pflanzenschutzmitteln ohne Schutzkleidung und entsprechendem Know-How auch der menschlichen Gesundheit abträglich sein kann. Daher sollte man sich ausschließlich an Hausmittel halten wie Tees, Brühen und Jauchen aus verschiedenen Kräutern und Pflanzenteilen halten. Die haben den Vorteil, dass man sie leicht selbst herzustellen kann und sie oft sehr gezielt gegen einen bestimmten Befall wirken. In diesem Sinne: Ran an die Jauche! (Lara De Simone)