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Finger weg vom Boden!

No-Dig Methode für den Garten

Wir kennen das ja alle. Das Gartenjahr beginnt und der geneigte Hobbygärtner greift zur Schaufel, zum Spaten, zur Grabegabel, um mal so richtig den Boden zu belüften, gleich der Stoßlüftung in einem Raum, der lange verschlossen war. Auch unterirdisch soll schließlich bekannt werden, dass jetzt die warme Jahreszeit beginnt, oder?

6.05.2021

Auch bei Hochbeeten sollte man auf umgraben verzichten. Foto: Joanne Dale - stock.adobe.com

Meyers Gartenmöbel

Aus Großbritannien, dem Mutterland der Hobbygärtner, kommt ein Trend, der sich auf der Insel mehr und mehr durchsetzt. In vielen deutschen Gärten ist er auch bereits eingezogen und erfreut sich großer Beliebtheit. Die Rede ist von „No Dig“, was so viel bedeutet wie: Nicht graben. Der No Dig -Papst Charles Dowding erklärt in vielen Videos dem geneigten Zuschauer, wie er diese Methode umsetzt und die Vorteile, die damit verbunden sind. Schauen wir uns einmal an, was es damit auf sich hat.
   

Foto: ruslan_khismatov - stock.adobe.com
Foto: ruslan_khismatov - stock.adobe.com

Feuchtigkeit ist das Erfolgsgeheimnis

Das Geheimnis der Methode liegt im Schutz von Bodenbiologie und Feuchtigkeit. In Böden, die regelmäßig „gelüftet“ werden, können sich die Mikroorganismen nicht ausreichend gut entwickeln, weil sie immer wieder gestört und auch zerstört werden. Sie sind aber wesentlicher Bestandteil eines gesunden, Ertrag fördernden Bodens. Ungeschützte Erde verliert schnell und viel Flüssigkeit. Mulchen ist deshalb eine gute Methode, um den Boden feucht zu halten, Rindenmulch ist allerdings vom pH-Wert eher sauer, was auf Dauer dem Boden nicht guttut. Daher ist als etwas weniger saure Alternative Kompost ein wesentlicher Bestandteil der Bo Dig Strategie. Mit No Dig verringert sich die Anzahl der Unkräuter und die Bodenlebewesen nehmen zu, so auch Käfer und Schnecken fressende Insekten.

Schon bei der Anlage eines neuen Beetes geht Dowding interessante Wege. Mit Karton wird das zukünftige Beet abgedeckt und dann mit einer mindestens 15 – 20 Zentimeter dicken Schicht Erde und Kompost bedeckt. Der Karton sollte keine Plastikbeschichtung haben, Metallklammern und Klebestreifen müssen entfernt werden.

Kompost spielt bei der No Dig Methode eine ganz entscheidende Rolle. Den kann man selbst herstellen oder aber eine Quelle suchen, aus der man hochwertigen Kompost beziehen kann. Eine Frage beim Gärtner des Vertrauens kann hier Aufschluss geben. Unter der Schicht aus Pappe und Erde vergehen Gras und Unkraut. Liegt das zukünftige Beet über den Winter ungestört da, kann im Frühjahr mit dem Bepflanzen begonnen werden. So lassen sich neben Gemüsebeeten auch Blumenrabatte in allen Formen problemlos anlegen.

Charles Dowding ist in Großbritannien sehr bekannt für sein Bekenntnis zur No Dig Methode. Er zeigt in seinem Garten, dass man damit seinen Ertrag enorm steigern kann. Foto: www.charlesdowding.co.uk
Charles Dowding ist in Großbritannien sehr bekannt für sein Bekenntnis zur No Dig Methode. Er zeigt in seinem Garten, dass man damit seinen Ertrag enorm steigern kann. Foto: www.charlesdowding.co.uk

Umsteigen ist jederzeit möglich

Aber auch, wenn bereits ein Beet existiert, kann man noch auf die No Dig Methode umsteigen. Nach dem Bedecken mit Kompost den Boden ruhen lassen und bestenfalls einzelne Unkräuter auszupfen, aber kein Graben, kein Umschichten. Jedes Jahr werden die Beete mit einer neuen Schicht wertvollen Komposts bedeckt, womit einerseits das Austrocknen verhindert und frische Nährstoffe eingetragen werden. Das Resultat sind Beete, auf denen über viele Jahre Blumen oder Gemüse gezogen werden können, ohne dass man so etwas wie einen Fruchtwechsel durchführen muss. Einzige Ausnahme sind Gemüsebeete, bei denen sich Schädlinge gezeigt haben. Häufig verbleiben Eier oder Larven der Schädlinge am Ende des Jahres im Boden, sodass eine erneute Aussaat im kommenden Jahr gleich wieder betroffen wäre. Der Wechsel in ein Beet etwas entfernt löst das Problem zumeist. Auch wenn im ersten Jahr noch häufig Unkraut gezupft werden muss, stellt sich der Erfolg von No Dig vergleichsweise schnell ein. Weniger häufiges Wässern ist angesichts des sich wandelnden Klimas und zunehmender Trockenperioden die Zukunft in unseren Gärten, da ist ein Bodenaufbau, der das Wasser länger speichern kann, ein wichtiger Schritt. Böden, die hart und steinig sind, werden durch die No Dig Methode nach und nach verbessert, lockerer und nährstoffreicher. Der Einsatz von Kompost kann, wie bereits geschrieben, dazu führen, dass sich der pH-Wert in Richtung sauer verschiebt, der Einsatz von Kalk ist in diesem Fall durchaus in Ordnung. Wer das nicht möchte, kann Eierschalen zerreiben und sie verteilen, das ist mühsam und deutlich weniger effektiv, funktioniert aber auch in Maßen. Im Winter liegen die Beete unter einer schützenden Schicht von Stroh, um auch dann nicht auszutrocknen.

Alles in allem lehrt uns die No Dig Methode vor allem eines: Finger weg vom Boden und die Natur arbeiten lassen, dabei sanft unterstützen, das führt zu mehr Bodengesundheit, besseren Erträgen und reichen, bunten und schönen Gärten. (J.S.)