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Eiskalt erwischt!

Die Eisheiligen und der letzte Maifrost

„Alles neu macht der Mai“ lautet das altbekannte Sprichwort. In diesem Monat bekommen auch die letzten Bäume wieder ihre grünen Blätter, die Natur explodiert geradezu mit einer Blütenpracht und für viele Tiere ist jetzt Brutzeit. Die meist milden, angenehmen Temperaturen locken uns dazu, die ersten Tage des Jahres ohne Jacke in der Sonne zu verbringen und wir glauben, die Schwelle zum Sommer erreicht zu haben. Doch Bauer und eingefleischter Hobbygärtner wissen: Erst nach den Eisheiligen ist der Winter wirklich überstanden.

6.05.2021

Foto: fotoknips - stock.adobe.com

Klostergärtnerei Maria Laach

Als die Eisheiligen werden die Tage vom 11. – 15. Mai bezeichnet. Der Name geht zurück auf fünf Bischöfe, beziehungsweise Märtyrer, die an diesen Tagen ihre katholischen Gedenktage haben. Am 11. Mai beginnen die Eisheiligen mit Mamertus, gefolgt von Pankratius, Servatius, Bonifatius und schließlich am 15. Mai der Heiligen Sophie. Mamertus und Servatius waren Bischöfe, die restlichen drei starben als Märtyrer. Sie alle lebten im 4. oder 5. Jahrhundert nach Christus.

Diese fünf Heiligen hatten aber nicht etwa eine besonders frostige Persönlichkeit, ihre Gedenktage fielen nur zufällig auf ein Wetterphänomen, das Jahr für Jahr im Mai wiederkehrt. In der Mitte des Monats kommt es häufig noch einmal zu einem letzten Temperaturabfall inklusiver Bodenfrost, weshalb viele Bauern und Gärtner bis nach den Eisheiligen warten, um besonders frostempfindliche Pflanzen zu setzen.

Foto: Nazar - stock.adobe.com
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Arktische Polarluft sorgt für Eiseskälte

Grund für diese sogenannte „meteorologische Singularität“ ist arktische Polarluft, die auf die milde mitteleuropäische Wetterlage trifft, und das mit einer so schnöden Regelmäßigkeit, dass sich über die Jahrhunderte hinweg, in denen das Phänomen auftritt, Bauernregeln um diese Tage gebildet haben. „Pankraz, Servaz, Bonifaz, machen erst dem Sommer Platz“, heißt es etwa, im Süden auch „Pankrazi, Servazi und Bonifazi sind drei frostige Bazi. Und zum Schluss fehlt nie die Kalte Sophie.“ In Norddeutschland werden häufig nur die ersten vier Tage als die Eisheiligen bezeichnet, gerne auch „Gestrenge Herren“ oder „Eismänner“. Da die kalte Luft meist etwa einen Tag braucht, um vom Norden Deutschlands bis in den Süden vorzudringen, fügten die dort lebenden Bauern den Eisheiligen noch einen weiteren Tag hinzu, den der Heiligen Sophie. Aber auch ein solches Wetterphänomen ist nicht sicher vor dem Klimawandel. Entstanden sind die Bauernregeln wohl in einer Zeit vom 15. bis zum 19. Jahrhundert. Nach einer längeren mittelalterlichen Warmzeit folgte hier nämlich die sogenannte „Kleine Eiszeit“, die erheblichen Klimaschwankungen mit sich brachte, so zum Beispiel die heftigen Kälteeinbrüche in der eigentlichen Vegetationsperiode im Mai. Klimaforscher bemerken aber nun, dass infolge des Klimawandels diese Frosteinbrüche weniger und milder werden, so auch die Eisheiligen. In manchen Jahren fallen sie sogar gänzlich aus oder finden bereits im April statt, was damit zu erklären ist, dass sich der Frühlingsbeginn dank der Erderwärmung ohnehin im Jahr nach vorne verschoben hat.

Aber nicht nur der Klimawandel macht die Eisheiligen ungenau, sondern auch der gregorianische Kalender. Weil astronomisches und kirchliches Kalenderjahr immer weiter auseinanderdriften, ließ Papst Gregor XIII im Jahr 1582 zehn Tage aus dem aktuellen Jahr streichen, um die Kalender wieder einander anzupassen. Als Resultat dieser Umstellung liegen die Eisheiligen jetzt etwa zehn Tage vor dem eigentlichen Wetterphänomen.

Klimawandel auch bei den Eisheiligen

Zeitpunkt und Dauer der Kälteperiode der Eisheiligen schwanken also zunehmend, was es Hobbygärtnern, aber auch gestandenen Bauern nicht leicht macht. Immer wieder verlieren Landwirte erhebliche Teile ihrer Ernte, weil ein überraschender Frosteinbruch die keimenden Samen oder jungen Pflanzen zerstört. Für den Hobbygärtner empfiehlt sich also Vorsicht. Frostempfindliche Setzlinge und Samen sollten erst spät im Mai gesetzt werden. Pflanzen, die bereits draußen im Beet wachsen, können zusätzlich mit Glasglocken, wärmender Vliesabdeckung oder klassisch mit Stroh oder Tannenzweigen abgedeckt werden. Nach den Eisheiligen darf man dann aber so richtig im Garten mit dem Pflanzen loslegen. Vorgezogene Kräuter, Gemüse- und Blühpflanzen können nun ins Beet oder auf den Balkon in Kästen gesetzt werden. Auch Kübelpflanzen, die den Winter in der warmen Stube verbracht haben, dürfen wieder an die frische Luft. Nur die Winterjacke, die sollte man noch eine Weile zur Hand haben, damit einen auch in Zeiten des Klimawandels die Eisheiligen nicht doch noch eiskalt erwischen. (F.F.)